Offener Brief: Nachtschwärmer

Offener Brief: Nachtschwärmer

Anliegen der Konstanzer Studierenden bezüglich des ÖPNV

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Burchardt,
Sehr geehrter Herr Reuter,
Sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats,
Sehr geehrte Ortsvorsteherinnen und Orstvorsteher,
Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Stadtwerke,

Zunächst einmal möchten wir die Gelegenheit nutzen uns im Namen der Studierenden beim
Gemeinderat zu bedanken. Mit Spannung haben wir den jüngsten Beschluss zur Lockerung der
Sperrstundenregelung erwartet. Erfreut konnten wir daher zur Kenntnis nehmen, dass sich
immerhin bezüglich der rechtsrheinischen Gastronomie eine Mehrheit für eine Anpassung an die
landesweit geltenden Regelungen finden ließ. Um diese neugewonnene Freiheit nun auch allen
Konstanzer Bürgerinnen und Bürgern zugängig machen zu können, wollen wir mit diesem
Schreiben noch ein paar weitere Maßnahmen anstoßen.

Sobald um kurz nach 1 der letzte Bus der Linie 4/13 den Zähringerplatz verlässt, ist das städtische
Nachtleben weitgehend auf den Fuß- und Radverkehr beschränkt. Vom öffentlichen Nahverkehr
bleiben zu dieser Uhrzeit nur die beiden vereinzelt fahrenden Nachtschwärmerbusse, deren
Benutzung – auch bei Besitz einer Abokarte wie des Studitickets – nur gegen einen Aufpreis von
4€ (bzw. 3,50€ mit Ermäßigung) möglich ist.

Für viele Anwohnerinnen und Anwohner der zentraleren Stadtteile ist der nächtliche Heimweg zu
Fuß oder mit dem Rad problemlos zu bewältigen. Anders ist das für alle die aus unterschiedlichen
Gründen nicht gut zu Fuß sind oder weiter auswärts wohnen. Bereits für diejenigen, die
Wollmatingen oder Allmannsdorf ihr Zuhause nennen wird es schwierig. Ganz zu schweigen der
äußeren Teilorte. Der Weg nach Litzelstetten beispielsweise führt entweder durch den Wald oder
umständlich über die Mainau. Beide Wege sind gar nicht oder nur spärlich beleuchtet und an ein
Gefühl von Sicherheit kann hier auf dem nächtlichen Heimweg kaum gedacht werden.

Besonders die Anwohnerinnen und Anwohner dieser äußeren Teilorte leiden demnach unter der
schlechten Nahverkehrsanbindung. In der Folge sparen sich viele das nächtliche Konzert im
Kulturladen, fahren mit dem Auto zur Weihnachtsfeier oder verlassen die Bar früher als Freunde
oder Kolleginnen.

Gerade für uns Studierende ist die Teilhabe am Kultur- und Nachtleben auch etwas, das die
Studienzeit hier in Konstanz besonders und lebenswert macht. Wir tragen bereits heute über den
Semesterbeitrag solidarisch zur Finanzierung des städtischen Busverkehrs bei. Die meisten von
uns nutzen Abo-Angebote wie das Semesterticket oder das Jugendticket BW*. Umso
unverständlicher ist für viele von uns, wie wenig ausgebaut der Nachtbusverkehr in Konstanz ist
und dass der Nachtschwärmer denen vorbehalten ist, die sich den Extrabeitrag für das Ticket
leisten können.

Die Teilhabe am Nachtleben bleibt damit denjenigen vorbehalten, die in der Stadt wohnen und
gut zu Fuß sind oder sich den Nachtschwärmer leisten können. Dieser Zwei-Klassen-Zugang ist
einer kulturell lebendigen Stadt wie Konstanz unwürdig.

Wir fordern daher die Aufnahme der Nachtbuslinien in die allgemeine Tarifstruktur sowie einen
Ausbau des nächtlichen Busbetriebes in Anpassung an das nächtliche Kulturangebot.

Gezeichnet,

Verfasste Studierendenschaft der HTWG Konstanz
Verfasste Studierendenschaft der Universität Konstanz

*Redaktionelle Anmerkung: Inzwischen umbenannt in D‗Ticket.Jugend.BW